Wissensmanagement

Stillschweigendes Wissen erfassen: Die Interviewmethodik, die wirklich funktioniert

08.07.2026 · 8 Min · Masiar Ighani · CEO

Die Frage „Können Sie Ihr Wissen bitte aufschreiben?“ führt fast nie zu brauchbaren Ergebnissen, weil erfahrene Mitarbeiter ihr eigenes Können selten explizit vor Augen haben. Erst eine strukturierte Interviewmethodik legt frei, was jemand tatsächlich weiß, aber selbst nicht als besonders empfindet.

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Warum die direkte Frage ins Leere läuft

Wer einen erfahrenen Anlagenführer bittet, sein Wissen aufzuschreiben, bekommt meist eine kurze, allgemeine Beschreibung, die für einen Neuling wertlos ist. Das liegt nicht an mangelndem Willen, sondern daran, dass echtes Erfahrungswissen zu großen Teilen implizit ist: Es äußert sich in einem Griff, einem Blick, einem Geräusch, das jemand seit fünfzehn Jahren automatisch registriert, ohne es bewusst zu benennen. Genau dieses Wissen lässt sich nicht per Formular abfragen, sondern nur durch gezielte Nachfragen an konkreten Situationen freilegen.

Ein bewährter Ansatz aus der Wissenspsychologie ist die kritische-Fall-Methode: Statt allgemein zu fragen, wie jemand arbeitet, fragt man nach einem konkreten, schwierigen Fall aus der Erinnerung und geht diesen Schritt für Schritt gemeinsam durch. An dieser konkreten Erzählung tauchen automatisch die Details auf, die bei einer allgemeinen Frage verloren gegangen wären.

Niemand kann sein eigenes Erfahrungswissen aus dem Kopf zusammenfassen, aber jeder kann einen schwierigen Fall detailliert erzählen.

Der Ablauf eines wirksamen Wissensinterviews

Ein gutes Wissensinterview dauert 60 bis 90 Minuten und folgt einer klaren Struktur statt einem freien Gespräch, sonst bleibt es an der Oberfläche. Zentral ist, dass der Interviewer selbst kein Fachexperte für die Anlage sein muss, sondern gute Nachfragetechnik beherrscht, denn zu viel eigenes Fachwissen führt oft dazu, dass Selbstverständliches unausgesprochen bleibt, weil es dem Interviewer ohnehin klar erscheint.

  • Mit einem konkreten, erinnerten Störfall starten statt mit einer allgemeinen Frage
  • Bei jedem Entscheidungspunkt nachfragen, woran die Person das Signal erkannt hat
  • Auch gescheiterte erste Vermutungen dokumentieren, nicht nur die finale Lösung
  • Interview aufzeichnen und zeitnah verschriftlichen, Erinnerung verblasst innerhalb weniger Tage

Von der Erzählung zum nutzbaren Wissenseintrag

Ein aufgezeichnetes Interview ist noch kein Wissenseintrag, es muss in eine durchsuchbare Form gebracht werden, in der ein Kollege es Jahre später bei einem ähnlichen Fall wiederfindet. Wie sich dieser gesamte Prozess rund um den Renteneintritt planen lässt, beschreibt Expertenwissen: Interviews vor Renteneintritt. Wer die Methodik nicht selbst aufbauen will, findet in einem unverbindlichen Angebot einen strukturierten Einstieg, der die Interviews direkt mit einer durchsuchbaren Wissensbasis verbindet.

Das wertvollste Wissen eines Experten ist selten das, was er zuerst erzählt, sondern das, was erst auf Nachfrage sichtbar wird.

Häufige Fragen

Wie viele Interviews braucht man pro Experte?

Für eine gut abgedeckte Rolle reichen meist drei bis fünf Interviews zu unterschiedlichen, typischen Fallkategorien.

Muss der Interviewer die Anlage selbst kennen?

Nein, grundlegendes technisches Verständnis reicht, entscheidender ist geschulte Nachfragetechnik, die Selbstverständliches sichtbar macht.

Wie viel Erfahrungswissen steckt noch unausgesprochen in Ihrem Team?

Der Wissens-Risiko-Check identifiziert, welche Rollen zuerst interviewt werden sollten.

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