JIT-Lieferungen und Produktionsplanung: Wie viel Risiko Sie wirklich eingehen
Just-in-Time-Lieferungen senken Bestandskosten sichtbar, aber sie verschieben das Risiko in die Planung, ohne dass dort immer bekannt ist, wie zuverlässig die Punktlandung wirklich ist. Ein einziger verspäteter LKW kann eine Linie innerhalb weniger Stunden stillsetzen.
Der unsichtbare Preis der Punktlandung
Je näher ein Betrieb an Just-in-Time oder Just-in-Sequence arbeitet, desto kleiner wird der Puffer, der eine Störung abfedern kann. In Zulieferstrukturen mit sehr geringem Sicherheitsbestand reicht ein verspäteter Lkw, um eine Linie innerhalb weniger Stunden zum Stillstand zu bringen, ein Risiko, das mit sinkendem Bestand mathematisch steigt, auch wenn es im Alltag selten spürbar wird.
Der eigentliche blinde Fleck liegt oft in der Planungsannahme selbst: Ein Liefertermin wird als feste, hundertprozentig zuverlässige Größe eingeplant, obwohl die historischen Daten längst zeigen, dass beispielsweise acht Prozent der Anlieferungen eines Lieferanten außerhalb des vereinbarten Zeitfensters ankommen. Diese Differenz zwischen angenommener und tatsächlicher Zuverlässigkeit ist reines, unbepreistes Risiko.
Wie sich Lieferrisiko in die Planung einpreisen lässt
Statt pauschal überall Sicherheitsbestand aufzubauen, was den eigentlichen Vorteil von JIT wieder auffrisst, lässt sich die historische Liefertreue je Lieferant und Material als Risikowert in die Planung einbeziehen. Gezielter Puffer entsteht dann nur dort, wo Kritikalität und Unzuverlässigkeit tatsächlich zusammentreffen, nicht flächendeckend.
Ergänzend lässt sich simulieren, welchen Effekt eine ein- oder zweitägige Verspätung bei den fünf kritischsten Lieferanten auf den nachgelagerten Produktionsplan hätte, ein Vorgehen, das dem in Kapazitätsplanung mit Szenarien beschriebenen Prinzip entspricht, nur mit dem Lieferanten statt der Maschine als Engpassquelle.
- Historische Liefertreue je Lieferant und Materialnummer
- Kritikalität des Teils für die betroffene Linie
- Realistische Wiederbeschaffungszeit im tatsächlichen Störfall
- Verfügbarkeit qualifizierter Alternativlieferanten
Wo trotzdem Grenzen bleiben
Keine Planung ersetzt eine echte Lieferantendiversifizierung. Bei Single-Source-Teilen, die kritisch für die Linie sind, bleibt ein Restrisiko bestehen, das sich nur begrenzen, nicht wegplanen lässt, ein Thema, das eng mit Terminierung: Rückstand systematisch abbauen zusammenhängt und zunehmend auch in Lieferketten-Nachweisen im Rahmen von ESG-Reporting auftaucht.
Häufige Fragen
Wie viel historische Liefertreue-Daten brauchen wir für eine belastbare Einschätzung?
Idealerweise mindestens zwölf Monate je Lieferant und Materialnummer, um saisonale Effekte auszuschließen.
Bedeutet das, wir müssen von JIT wieder abrücken?
Nein, es geht darum, Puffer gezielt statt pauschal zu setzen, das erhält die Bestandsvorteile von JIT weitgehend.
Wie hoch ist Ihr reales JIT-Risiko?
Der Planungs-Check zeigt, bei welchen Lieferanten und Teilen sich gezielter Puffer wirklich lohnt.
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